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Geschichte des Lehmexpress 1997 - 2017

2014

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Projekt Kasbah Asslim 1997 und davor

Es begann im Jahre 1984. Ich hatte gerade eine Zimmermannslehre angefangen und ich bekam Interesse am Lehmbau.. Zu dieser Zeit konzentrierte sich alles auf den Baustoff Erde. Ich besuchte die nationalen - und internationalen Lehmbautagungen. Ich erfuhr dort, das Mutterland des Lehmbaus sei der Jemen. Das New York des Lehmbaus heißt Saana, und besteht aus wolkenkratzerartigen Lehmhochhäusern. Ich war derartig neugierig und suchte Kontakte um in diesem Land zu arbeiten und zu studieren. Es stellte sich heraus, dass die Flüge sehr teuer, und das Klima extrem anstrengend ist. Alles in allem fand ich keinen Kontakt.
Währenddessen kam Jahr für Jahr eine Ansichtskarte von meinem Freund Hermann Nick aus Marokko, worin zu lesen war: "Hier gibt es ganze Städte aus Lehm", und auf der Bildseite sah ich auf Eseln sitzende Marokkaner an großen Lehmburgen vorbei reiten.
"Manni, komme doch einfach mal hier vorbei, es ist sicher was für dich."



Die Stadt Asslim
Die Stadt Asslim

1997
In diesem Jahr entschloss ich mich, mit der Fotografin Stephanie Witzel, eine Reise dorthin zu unternehmen. Erstens, um eine Fotodokumentation über den marokkanischen Lehmbau zu machen, und wenn es sich ergibt, auch praktisch zu arbeiten.
Anlaufpunkt war die Kasbah (Lehmburg) Asslim, der Sippe des Caid mit ihrem großen Arkadenhof am Rande der Stadt Agdz. Sie liegt in der Djebel Saghro, das heißt in einer Stein- und Felsenwüste. Die Kasbah ist an der höchsten Stelle 18,50 m hoch und liegt am Rande der uralten Ksour ( Stadt) Asslim. Diese Stadt liegt südlich des Atlas - Gebirges am Rande der Sahara in einem Palmenhain. Dass Menschen hier leben können, ist nur durch die Queed-Draa möglich. Als längster Fluss Marokkos wird er durch den Regen und Schnee des Atlas - Gebirges gespeist. Dieses Gebirge ist die Wasser-, Regen- und Klimascheide für diese Region. Mit 10cm Niederschlag im Jahresmittel ist es eine der regenärmsten bewohnten Gebiete der Welt. Ohne den Flusslauf würde hier ein Leben nicht möglich sein.
Kasbah Caid Ali
Kasbah Caid Ali
Ich fand eine blühende Oase mit Tausenden Dattelpalmen vor. Darunter die schönsten Gemüsegärten und das ohrenbetäubende Gezwitscher der Vögel. So stelle ich mir den Garten Eden vor, oder das Paradies.
Mitten in dieser Oase lebt ein Teil der Sippe des Caid. Der Caid war früher das Stammesoberhaupt der Mezguita - Berber, die dieses Gebiet schon vor 450 Jahren besiedelten, und die von und nach Schwarz - Afrika kommenden/gehenden Karawanen kontrollierten. Unser Gastgeber Achmed ist einer der Söhne des Caid Ali, der noch vor der Übernahme der Franzosen hier in diesem Gebiet die Regierungsgewalt inne hatte.
In diesem Jahr versuchte ich vergeblich mit den Einheimischen zu arbeiten, sie saßen immer beim Tee, oder waren in der Moschee. Aber die Fotodokumentation bescherte mir einen Fundus an Bildern, wodurch mir dort die Idee kam, die "Entstehung der Erde und die Verarbeitung durch den Menschen" in Dia- Form als Vortrag zu erarbeiten. Denn was ich vorfand, war faszinierend. Eine innere Stimme sagte mir: dass musst du unbedingt daheim zeigen.
Die Idee für die Vortragsreihe: "Konzert und Dia" war geboren. Sie wurde in den nächsten Jahren nur verändert und verfeinert.
Auch entwickelte sich der Kontakt zu M`Barek, einem Sohn von Achmed. Er lebt in der großen Kreisstadt Ouarzazate und arbeitet in der Organisation CERCAS, deren Ziel die Wiederbelebung und Erhaltung der Lehmarchitektur in der Atlas- und Subatlas-Region ist. Er hat in Fes Philosophie und Soziologie studiert, und arbeitet jetzt als Soziologe. Mit ihm entwickelte sich die Zukunft des "LEHMEXPESS".
Er machte mir den Vorschlag im nächsten Jahr in Agdz an den Schäden der Arkadensäulen zu arbeiten. Ich hatte die Vorstellung mit drei/vier Leuten dorthin zu kommen, um mit einem Lehmbaumeister dort an den eingestürzten Säulen zu arbeiten. Die Baustelle hatte ich gar nicht richtig gesehen, aber ich dachte: "Das schaffen wir schon!" Durch eine Vortragsreihe der Diashow "Entstehung der Erde und die Verarbeitung durch den Menschen" fragte ich die Besucher, ob sie nicht Lust und Laune hätten, nächstes Jahr mitzufahren und der Sippe beim Erhalt Ihrer Architektur zu helfen. Das Unglaubliche geschah, es meldeten sich 25 Menschen aus allen Teilen Deutschlands, ja sogar aus Italien, und wollten beim "LEHMEXPRESS" mitmachen. Jeder gab 100 DM, und damit war er angemeldet.

Die Stadt Asslim in der Oase Draa
Die Stadt Asslim in der Oase Draa
Nach Absprache mit der Sippe einigten wir uns darauf, dass marokkanische Handwerker vorher Lehmziegel herstellen, die wir dann unter Leitung eines Maalem (Lehmmeister) wieder dort aufstellten, wo sie einmal vermauert waren. Mit dem eingezahlten Geld wurden die Handwerker und die Materialien und Werkzeuge bezahlt.
Am Erstaunlichsten war die Erkenntnis, die umgestürzten Mauern mit Wasser wieder zu Steinen zu formen, um sie dann wieder mit Lehm-Mörtel zu vermauern. Wir hatten keinen Abriss, keinen Abtransport von Bauschutt und das Material lag direkt vor Ort.

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