Projekt
Kasbah Asslim 2008
Lehmexpress
2008 vom 17.3. - 28.3.2008
Wieder
ist ein LEHMEXPRESS Jahr vorbei und
wir können auf eine lehr- und
arbeitsreiche Zeit zurückblicken.
In
diesem Jahr war der Zuspruch an
Personen gering. Nichts desto Trotz
wurde es durch den Charakter der
einzelnen Teilnehmer zu einer wunderbaren
und ereignisreichen Zeit. Die erste
Gruppe wurde wegen Desinteresse
abgesagt.
Die zweite Gruppe kam zustande.
Acht Teilnehmer aus Italien, Holland,
England und Deutschland lernten
sich in den zwei Wochen kennen.
Kindergärtnerinnen trafen auf
Bauingenieurinnen.
Studienrat auf pensionierten Stadtplaner.
Eleonore, die Lebensgefährtin
Pauls, Doktor der Architektur im
Lehmbau, tanzte auf dem "Rendezvous
de la Musique" klassischen
ägyptischen Bauchtanz.
Ganz
nach dem Motto: >kre-akt-iv<
sein ist alles. Kulturaustausch
war angesagt. Die Sprachenvielfalt
überschlug sich in diesem Jahr
und wir haben alle viel gelernt.
Doch
was geschah wirklich und "tat-sächlich"?
Wir
erstellten einen neuen Zugang durch
den Arkadenhof über eine Treppe
in die Kasbah. Über einem nach
oben offenen kleinen Innenhof wurde
eine neue Lehmdecke hergestellt
und alle Wände mit Lehm verputzt.
So entstand ein neuer Raum vor der
Kasbah, der als Aufenthaltsraum
genutzt werden kann. Zum Tee trinken,
lesen und einfach zum entspannen.
Das alles im Schatten kühlender
Lehmwände.
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| Ein
Teil des Duarit inmitten der Kasbah, der
Säulensaal, wurde mit Lehm verputzt.
Alle Räume wurden mit Strom versorgt
und es gab viele Meter Kabel einzuputzen.
Es
begann alles mit einer Großreinemachaktion.
Es wurden Schutthalden aus den Höfen
und Räumen in den Hof gekarrt und
dort ausgesiebt. Was übrig blieb
wurde mit Stroh vermischt und zu Mörtel
verarbeitet. Laien übten sich in
der Herstellung und Verarbeitung dieser
Lehmmassen. Es wurden die Hosenbeine hochgekrempelt
und der Lehm mit den Füßen
malträtiert. So "erfuhren"
die Teilnehmer, was Konsistenz, Plastizität
und Geschmeidigkeit eines Lehmmörtels
bedeutet. Was zuerst für einen Kenner,
wie Sidi Ahmed und Maalem M´Bark,
dilettantisch aussah, entwickelte sich
in kurzer Zeit zu einer immer sehenswerteren
Arbeit. Durch kleine Einweisungen in das
Fachgebiet "Putzen" und die
Aufnahmebereitschaft der Mitarbeiter entstanden
lebhafte, oder sagen wir "lehmhafte"
Wandoberflächen, die sich am Ende
nicht von den anderen unterschieden. Von
mir ein großes Lob an dieser Stelle.
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| Auch
gesellte sich, wie schon in anderen Jahren,
eine Fangemeinschaft um Guido Röber
vom Ökohaus & Garten aus Quedlinburg
zu unseren Arbeitern hinzu. Auch wurde eine
riesige Kiste mit Pigmenten mitgebracht.
Diese wurde dem LEHMEXPRESS zur Verfügung
gestellt. |
| Es
sollte aber nicht nur bei den Putzen bleiben.
Es waren die Herstellung und Verarbeitung
von ökologischen und traditionellen
Farben angesagt. Dazu hatte ich allerlei
Materialien von zu Hause mitgebracht. Marmormehl,
Kreide, Pigmente und Casein. Kalk bekamen
wir im örtlichen Fachhandel. |
| Wir
machten zu Beginn eine theoretische Einweisung
in die verschiedenen Farbsysteme. Dann wurden
die Mischungsverhältnisse besprochen
und los ging es. Es begann damit: wir vergaßen
das Kasein für eine Marmormehlfarbe
mit Borax aufzuschließen. Der Erfolg
war niederschmetternd. Erst nach einem Anruf
bei Herrn Meißner bei der Firma Kreidezeit
wurde uns klar, das Kasein in Wasser gelöst,
nicht der Zweck der Sache ist. So lernt
man immer neu, worauf es ankommt. Ich sollte
mich schämen.
Nun
begannen wir Kasein- Marmormehl-, Kalk-
Kasein und Leim- Kreidefarben herzustellen
und in den verschiedenen Räumen zu
verarbeiten. Da die Familie drei neue
Räume im Arkadenhof erstellt hatten,
standen genügend Wandflächen
zur Verfügung die noch nicht gestrichen
waren. Auch machten wir bei den Exkursionen
in die Kasbah's und Ksar's Tamnougalt,
Asslim, Ait Ben Haddou
und
Taorirt Fotos von den typischen Wandmalereien
und Dekorzeichnungen der Berber und wollten
diese mit Schablonen in die Räume
zaubern. Mein Sohn Anton machte die Entwürfe
dazu fertigte die Schablonen und jeder
Teilnehmer durfte mit feinem Pinsel an
der Ausführung mitarbeiten.
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| So
entstanden sukzessive in zwei Flurbereichen
der Kasbah und in einem Raum des Riads Farbgestaltungen
mit den oben genannten Farben inklusive
einer Wandlasur mit Ocker und Silber, welches
erstaunlicherweise Gold ergibt. Der neue
Raum im Riad wurde mit einem Namen versehen,
Palais Bahia, da ein Ornament aus dem alten
Königspalais Bahia in Marakesch stammt.
Einige Teilnehmer waren der Meinung, dass
jeder Raum einen Namen verdient. Somit haben
wir damit begonnen. |
Der
letzte Tag galt dann dem "Tadelakt".
Tags zuvor versah ich die vom Maalem Keramik,
wie Herr Mandini liebevoll genannt wird,
gehandelten Schalen mit einem Zementspritzbewurf.
Diese wurden dann von jedem einzelnen am
Freitag mit kunterbunt eingefärbtem
Edelkalk eingeschmiert und liebevoll massiert.
Tadelakt heißt übersetzt auch
massieren. Ob jeder damit zufrieden wurde,
hat sich meiner Kenntnis entzogen. Darauf
kam es auch gar nicht so an. Wichtig war
die Versenkung und Stille die bei dieser
Arbeit entsteht. So klang dann auch der
gemeinsame letzte Arbeitstag in Stille und
Zufriedenheit aus. |
| Auch
wurde, so nebenbei, der Tadelakt im Berberklo
noch einmal eingeseift und die Bibliothek
mit der Literatur der GTZ und Uni Weimar
vervollständigt. Hiermit dir, lieber
Horst Schroeder, ein Dankeschön für
deine Bemühungen. Auch wurde damit
begonnen eine Liste über die vorhandene
Literatur zu erstellen. Und die gesamte
Museumsetage wurde von Gitta vom Staub befreit.
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Als
Abschluss, es ist schon so etwas wie Tradition
geworden, spielten sich die vom "Rendezvous
de la Musique" bekannten Ahwach- Musiker
in eine pure Spielfreude, sodass es für
jeden Teilnehmer schwer sein wird diesen
Abend jemals zu vergessen.
Meine Hände waren am nächsten
Tag vom Trommeln an einigen Stellen aufgeplatzt,
sodass das Händedrücken zum Abschied
nicht so schmerzfrei wurde. Doch mittlerweile
ist alles wieder beim alten.
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| Auf
das Rendezvous de la Musique gehe ich an
anderer Stelle ein, doch war es bestimmt
für alle Teilnehmer der kulturelle
Höhepunkt der Zeit in der Kasbah und
bei der Familie Ait el Caid. www.rendezvous-de-la-musique.com
Fazit:
alle Teilnehmer gaben mir den guten Rat
dieses Projekt weiter zu führen.
Ich freue mich jetzt schon auf das nächste
Jahr und auf die neuen Teilnehmer. Die
Kasbah Asslim ist ein wahrhaft einmaliger
Ort und jeder der einmal dort war, wird
immer wieder daran zurückdenken.
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