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Bei
unserer Ankunft war auch wieder
die Keramikergruppe um Iris Florstedt
vor Ort und dazu einmal gesagt:
es macht sehr viel Freude mit Euch
und Ihr ward/seit eine Bereicherung
für alle.
Die
erste Gruppe bestand wie gewohnt
aus Studenten die sich für
den Lehmbau interessieren. Aus Weimar,
Darmstadt, Münster, Erfurt,
Göttingen und Berlin kamen
sie mit dem Flugzeug und/oder mit
Bus und Bahn nach Südmarokko
wo sie Hand anlegen wollten, um
die typische Architektur der Berber
kennen zulernen, oder sagen wir
besser anfassen zu können.
Hinzu kam ein Dipl. Ingenieur aus
Erfurt und eine Malerin aus der
Schweiz, die sich gleich für
beide Workshops angemeldet hatte.
Nach
den ersten Tagen der theoretischen
Einweisung in die Grundlagen des
Lehmbaus begann das >müh-seelige<
Herstellen, Transportieren und die
Verarbeitung des Materials in den
Räumen der Kasbah. Elektrokabel
wurden eingeputzt, Risse geöffnet
und mit Mörtel verschlossen,
defekte Putze wurden erneuert und
die Berbertoilette wurde mit einem
Kalkmörtel versehen. Fenster
und Türen wurden gereinigt
und mit Leinöl gestrichen.
Die Lehmfußböden wurden
begradigt, usw. Insgesamt elf Räume
mit einer Deckenhöhe von 4,50m
mussten für die zweite Gruppe
fertiggestellt werden. Das größte
Problem war mal wieder das Gerangel
um die Leitern. Doch hatten wir
in diesem Jahr ein Stehgerüst
bauen lassen, sodass zwei bis drei
Personen an der Decke arbeiten konnten.
Auch wurden die freien Minuten für
Gespräche und Diskussionen
genutzt um sich besser kennen zulernen
und die Grundlagen der Architektur
wurde philosophisch zerpflügt.
Ein Hauptthema wurde auch die Kultur
der Berber mit ihren Gewohnheiten
und Sitten. Denn sie ist doch sehr
andersartig, da sie noch stark durch
die alte Sippenstruktur geprägt
ist.
Auch
kamen zwei deutsche Wandergesellen
als Helfer hinzu. Ein Steinmetz
und eine Töpferin hatten in
Marakesch von dem Projekt gehört
und baten für Unterkunft und
Verpflegung ihre Hilfe an. Dies
wurde ihr von der Gastgeberfamilie
gewährt. Als Dank fertigte
der Steinmetz eine Marmortafel für
die Kasbah an, die den Besucher
in engl. Sprache begrüßt.
Ein Maurer/ Putzer aus Österreich
half am Ende der Gruppenarbeit zwei
Tage bei den Kalkputzen im Berberklo.
Dies zeigt wieder das Interesse
an dem Projekt in dieser Region.
Sinn
und Zweck des LEHMEXPRESS und der
Familie Ait el Caid ist der Erhalt
der Kasbah Asslim.
Sie soll für
den Reisetouristen und auch für
Einheimische begehbar sein und als
Zeitzeuge der Berberarchitektur
dienen. Sie beherbergt auch ein
Museum in dem der Besucher Pläne,
Zeichnungen, Besiedlungsformen und
Kulturgegenstände (Sammlung
der Töpferwaren von der Keramikgruppe
von Iris Florstedt) besichtigen
kann. Dort ist auch eine deutschsprachige
Bibliothek eingerichtet und bietet
Platz zum lesen, sitzen und Tee
trinken. Dadurch erhält sie
seinen Sinn und Zweck. Die Familie
bietet jedem Interessenten eine
Führung an, wodurch er die
traditionelle Wohnform optisch erfahren
kann. Auch wird ihm die historische
Bedeutung der Gastsippe erklärt,
die früher die Funktion eines
Stammesfürsten hatte. Dieses
Konzept wurde ganz am Anfang des
Projektes zwischen der Familie Ait
el Caid und mir entwickelt und wird
kontinuierlich weitergeführt.
Dadurch erhält jeder einen
festen Platz in dieser Betriebsform.
Jeder ist in seinem Bereich Chef
und kann kreativ arbeiten. Mittlerweile
sind Absprachen in den einzelnen
Bereichen fruchtbar und werden auch
eingehalten, da jeder weiß
was er zu tun hat. So hat Mama Fatima
und Sidi Ahmed die Aufgabe die fertiggestellten
Räume der Kasbah einzurichten.
Gaelle führt das Büro
und die Einweisung der Gäste
in die Schlafräume inklusive
die Reinigung derselben. Dort entstand
auch ein Arbeitsplatz für eine
Frau aus dem Dorf. Auch arbeitet
jetzt eine Kinderfrau in der Familie,
damit die Mütter mehr Freiraum
für ihre Arbeiten haben. Aziz
organisiert die Küche und die
Verpflegung der Gäste. Hassan
ist für die technischen Probleme
zuständig und bietet Wüstenfahrten
mit einem Allradjeep für die
Gäste an und ist Vorsitzender
einer Kultur- Assoziation in der
Stadt Agdz. Mohammed führt
die Rezeption, sein Bruder Lhachsen
ist mit Mohamed dem jüngeren
für die Bewirtung und dem Einkauf
der Lebensmittel zuständig.
Auch beschäftigt die Familie
eine Gruppe Handwerker um Maalem
M`Barek, die alle Bautätigkeiten
abdecken. In diesem Jahr wurde eine
Sickergrube für die privaten
Wohnräume gebaut. Putze im
Neubau des Restaurants ausgeführt.
Auch ist die Terrasse vor dem Wasch-
und Toilettenhaus fast fertiggestellt
worden. Hinzu kommt, das zwei Schwestern
mit in der Küche helfen. Dort
ist auch Achmed als Koch angestellt.
Sinn und Zweck ist auch die umliegenden
Familien an dem Projekt zu beteiligen.
Durch diese Strukturierung ergibt
sich eine gemeinsame familiäre
Betriebsform wo jeder seine Arbeit
und auch Selbstverantwortung findet.
Der
LEHMEXPRESS dient ausschließlich
der Sanierung der Kasbah und des
dazugehörigen Arkadenhofes.
Er ist Ansprechpartner/ Koordinator
für alle baulichen Aktivitäten
und Gruppen die vor Ort arbeiten.
Alle Arbeiten werden in traditioneller
Art verrichtet und werden mit Maalem
M`Barek und der Familie abgesprochen.
Dies bedeutet eine
Restauration im rein traditionellen
Sinne. Es wurden Rezepturen für
die Herstellung von Wandfarben gesammelt
und Erdfarb- und Mineralpigmente
in der Umgegend gesucht, die von
der zweiten Gruppe dann gemahlen
und ausgeschlämmt werden sollten.
Ganz so wie früher. Als Abschluss
wurden wieder die Musiker aus dem
Dorf eingeladen und ein Fest mit
Hammelbraten stand auf dem Programm.
Die
zweite Gruppe war bunt gemischt
aus Architekten, Lehmbauerinnen,
Tischlern und Ingenieuren. Aus Luxemburg,
Schweiz´, Italien, Spanien
und Deutschland war sie auch recht
international besetzt. Dies sollte
sich als sehr spannend erweisen,
denn nun ging es an die Wandfarben
und Fußböden. Erden wurden
ausgeschlämmt und Farbrezepturen
auf ihre Tauglichkeit geprüft.
Grüne, violette und braune
Mineralien wurden mit Reibesteinen
auf einer Granitplatte zermahlen.
Auch wurden Farben der Firma KREIDEZEIT
verarbeitet die wir gespendet bekommen
hatten. So konnten die Teilnehmer
auch die Verarbeitung und Beschaffenheit
heimischer Naturfarben Produkte
kennen lernen.
Es
wurde ein Kalkanstrichtechnik für
den Außenbereich entwickelt,
der mit der Hilfe von Gerd Zieselmann/
Firma Kreidezeit ausgetüftelt
wurde. Sie soll beständiger
als die traditionellen Kalkanstriche
sein und nur aus Materialien der
Region bestehen. Leinöl wurden
mit Kalk gemischt und auf einen
Teil der schon gestrichenen Mauerkronen
aufgetragen. Als Finish wurde der
Anstrich mit Savon Bildi, einer
Olivenseife, die mit Wasser verdünnt
wurde, behandelt. Die alten Anstriche
wurden zwar erst vor zwei Jahren
angefertigt, zeigten aber schon
deutlich Abnutzungserscheinungen.
Vielleicht können wir den heimischen
Berbern ja eine bezahlbare Anstrichtechnik
vermitteln die dauerhafter als das
Bisherige ist. Wir wollen ja auch
den Wissenstransfer anregen. Im
Sinne von Nehmen und Geben. Kultureller
Austausch war angesagt. Wir lernten
die Trommelmusik und Gesänge
der Berber, es wurde Sprachunterricht
abgehalten und so lernten sich marokkanische
und europäische Kultur kennen
und schätzen. Respekt untereinander
wurde das Hauptthema.
Exkursionen nach
Ait Benhaddou, die Besichtigung
der CERCAS in der Kasbah Taorirt
und Tamnougalt, sowie eine Wanderung
durch ein Gebirgsmassiv bei Bou
Azzer rundeten die arbeitsamen Tage
ab. Es wurden bei den Besichtigungen
auch die typischen Ornamente begutachtet
und in der heimischen Kasbah Asslim
mit Schablonen an die Wände
gemalt. Auch lernten wir von Helga,
das die Moschee Hassan II in Casablanca,
die höchste Kirche auf unserem
Planeten, vom Papst geweiht wurde.
Dies musste unter großem Jubel
erst einmal verdaut werden. Wir
stellten dadurch fest, die Welt
ist eine große Familie wo
jeder den anderen achtet und respektiert.
| Auch kam, wie
in den letzten drei Jahren,
eine Tadelaktgruppe der Firma
KREIDEZEIT mit 16 Teilnehmern.
Vier Tage lang wurden in dem
Neubau des Restaurants Tadelakt
an die Wände angebracht,
poliert und eingeseift. Die
anfängliche Gruppentrennung
wurde durch die Teilnehmer des
LEHMEXPRESSES bald aufgelöst,
und man saß dann gemeinsam
beim Essen an einem Tisch und
besprach was zu besprechen war.
Anzusprechen wäre an dieser
Stelle auch das gemeinsame Arbeiten
mit anderen Gruppen. In dem
Verbund Familie, LEHMEXPRESS
und anderen Gruppen, wie den
Keramikern, Aufmassgruppen der
Uni Weimar oder in diesem Fall
Seminargruppen die vor Ort arbeiten
und leben, sollte es immer ein
miteinander geben. Trennungen
führen immer zu Missverständnissen
und Durcheinander. Terminabsprachen
sollten im Vorfeld erfolgen,
da diese sonst zu Engpässen
in der Versorgung der Räumlichkeiten
und Verpflegung führen.
Sonst ist ein reibungslosen
Gruppenablauf nicht mehr möglich.
Auch können die Gruppen
sich untereinander ergänzen,
indem Arbeiten im Sinne von
Vorleistungen erbracht werden
können. Dies ist dienlich
für alle und im Sinne des
Konzeptes. Private Empfindlichkeiten
werden somit ausgeschaltet.
Noch ein Tipp, Baustellen sollten
immer sauber verlassen werden.
Wenn man es nicht selber schafft
sollte man doch jemand anderen
beauftragen.
Auch durfte ich in diesem
Jahr an einer Geburt eines
männlichen Erdenbürgers
teilnehmen. Hasna, die Frau
von Hassan wurde mitten in
der Nacht Mutter eines gesunden
Jungen. Ich durfte somit auch
ein Hospital von innen erleben,
welches durch die Fußtritte
des werdenden Vaters geöffnet
wurde, da der Schlüssel
nicht aufzufinden war.
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Alles
in allem wurde es wieder zu einem
unvergesslichen Ereignis für
alle Teilnehmer. Der Abschied fiel
allen nicht leicht, auch weil ja
in Deutschland der Winter noch nicht
vorbei war und hier mit 50-55 Grad
in der Sonne es doch schon heißester
Sommer war.
Als Dank für
die geleistete Hilfe wurde wieder
Musik gemacht und bis in die Nacht
Achwasch Tänze gelernt. Und
Berberwhisky getrunken.
Im nächsten
Jahr dürfen wir eine Präsentation
des LEHMEXPRESS bei der Denkmalpflegeorganisation
CERCAS in der Kasbah Taorirt und
in Ait Benhaddou ausstellen und
über die Risssanierung des
letzten Jahres berichten. Das ist
für uns ein Sahnehäubchen
auf die vergangenen Jahre, denn
mit der Vernadelung einer Lehmwand
haben wir in Marokko Neuland betreten
und die Abseiltechniken in der Fassadenrestaurierung
schlagen bis heute ihre Wellen.
Wer jetzt Interesse
an der Mitarbeit bekommen hat kann
sich das neue Programm für
2007 durchlesen und sich dort auch
anmelden.
Wer Interesse an
einer wirtschaftlich Unterstützung
hat, melde sich per Mail bei mir.
Hiermit Dank an
die Firma KREIDEZEIT für
ihre Spenden, an Iris und Michaela.
Danke auch an dieser Stelle an
Dr. Schröder von der
Uni Weimar für seine Mitarbeit
und einen schönen Gruß
an alle von meiner Familie Ait
el Caid.
Manfred Fahnert
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