| Gruppe
1
Mit
einer zwölfköpfigen Studentengruppe
aus Weimar, Leipzig, Köln,
Rom und Süddeutschland begann
das Abenteuer LEHMEXPRESS 2005.
Zuerst wurden die Mauerkronen der
vier Türme und zwei Außenmauern
abgetragen. (Foto 70) Diese waren
durch Verwitterung arg beschädigt.
Die Takajüts (Zinnen) waren
fast vollständig vom Regen
herunter gespült worden und
lag auf den Decken. Durch Tests
wurde der vorhandene Lehm optimiert
und mit Sand und Stroh gemischt.
Mit dieser Mischung wurden die Mauerkronen
wieder aufgebaut.
Für den
oberen Mauerabschluss wurden leicht
gebrannte Lehmziegel benötigt.
Da diese nicht käuflich zu
erwerben waren, mussten sie selber
hergestellt werden. Unter der Obhut
des ortsansässigen Töpfers
Mallem Rinini wurden in zwei Tagen
1000 Lehmziegel hergestellt und
in einem Lehmofen gebrannt.
Das
Brennen wurde zu einem Fest gestaltet,
wobei vier Stunden ununterbrochen
Palmenzweige unten in die Feueröffnung
geschoben wurde. Dies geschah in
der Dämmerung und am nächsten
Morgen wurden sie mit einem Eselskarren
zur Kasbah transportiert. Diese
Aktivitäten zogen die Jugendlichen
und Kinder des Dorfes an und sie
bildeten eine Kette, um die Steine
zum Ofen zu transportieren. Es wurde
Tee getrunken und mit den Einheimischen
geplaudert. Dies alles geschah in
einer unglaublichen Herzlichkeit
und Freude.
Mit diesen Steinen
wurden dann eine Lage Dachziegeln
befestigt die ein dekoratives Element
an den Mauerkronen bilden.(Bild308
Ein Turmdach war so instabil das
es ganz neu gemacht werden musste.
Hier zeigte sich wieder einmal der
Vorteil des Lehmbaus. Der Lehmschlag
wurde oben auf der Terrasse zwischengelagert.
Als die Palmenhölzer und die
Schilfmatten ausgetauscht waren,
wurde derselbe Lehm mit Wasser und
einer Hacke durchgemischt und wieder
aufgebracht. Es entsteht kein Abraum
oder Bauschutt. Jetzt ist das Dach
wieder ein dauerhafter Schutz vor
Regen und Wind.
Wir bekamen
zwischendurch ein nicht unerhebliches
Problem. Ein Pfeiler der "Terrasse
der Frauen" drohte umzuknicken.
Im unteren Bereich hatten sich zwei
Risse gebildet und er drohte einzustürzen.
Da wir oben auf dem Dach arbeiteten,
wurde dies zu einem existenziellen
Problem. Mit nur sehr einfachen
Rundhölzern und Streben wurde
er 1,5m über dem Boden abgefangen
und neu aufgemauert. Diese Konstruktion
war sehr abenteuerlich, doch mit
der Hilfe unseres marokkanischen
Lehmbaumeister M'Bark wuchs der
neue Pfeiler und nach drei Tagen
konnten wir ihn wieder belasten.
Es
wurde eine Seilwinde installiert
die uns freundlicherweise die Baufirma
Alexander Hildebrand aus Hennef
zur Verfügung stellte. Es wurden
Gerüste gebaut und die meiste
Arbeit bestand darin, Materialien
oben auf die Dachterrasse zu transportieren.
Dies alles geschah unter den Augen
der täglichen Besucher, die
zu einer Visite der Kasbah Asslim
gekommen waren.
Derweil
arbeiteten drei Studentinnen im
Asfallo, dem zentralen Raum im ersten
Stock unterhalb der Dachterrasse.
Dieser Raum wurde als Küche
genutzt und war vollkommen verrußt.
Auch waren Schlitze für die
Stromversorgung gestemmt worden.
Der Ruß wurde mühsam
abgewaschen und die Schlitze und
Fehlstellen mit Lehm ausgebessert.
Dies erwies sich als sehr mühselige
Arbeit und nahm sehr viel Zeit in
Anspruch. Doch das Ergebnis kann
sich sehen lassen.
Parallel
dazu arbeite ein vierköpfige
Gruppe einheimischer Handwerker,
um unseren Lehmbaumeister M'Bark,
im Auftrag des LEHMEXPRESS an der
geplanten Stützmauer der Ostfassade.
Diese soll die einsturzgefährdete
Fassade im unteren Bereich vor dem
umstürzen bewahren.
Diese
Strategie wurde im Oktober mit Herrn
Prof. Dierks von der Universität
Potsdam auf der Denkmalmesse 2004
in Leipzig entwickelt. Sie ist ein
Teil des Sanierungskonzeptes der
Ostwand. Der große Riss im
oberen Wandbereich sollte mit Stahlbeton-
Nadeln fixiert werden. Dies ist
bei uns in Europa eine gängige
Methode in der Mauerwerkssanierung.
Doch für Marokko wohl eine
einmalige. Vor allem an einem Mauerwerk
aus Stampflehm.
Die
Studenten erwiesen sich als sehr
lernfreudig und aufgeschlossen und
es war eine Freude für mich
ihnen bei der Arbeit zuzuschauen.
Abends wurde musiziert und zum Abschluss
spielten die heimischen Berber im
Arkadenhof ihre traditionelle "Achwasch-
Musik", und alles tanzte und
war voller Freude. Ich fuhr mit
einer kleinen Gruppe am Ende noch
zwei Tage nach Marakesch und stöberten
in dem großen Souk nach kostbaren
Errungenschaften wie Gewürze,
Schmuck und sonstigen Kleinigkeiten.
Gruppe
2
Nun
begann das Wirken der zweiten Gruppe.
Dieser bunt zusammen gekommene Haufen
bestand aus zwei Baufachleuten,
einer Restauratorin, einer Krankenschwester,
einer Sozialpädagogin und Mutter
erwachsener Kinder, zwei Grafikdesignern
und einem älteren Ehepaar im
stolzen Alter von 66 Jahren. Also
neun doch recht unterschiedliche
Personen.
Diese
Gruppe hatte als Zielsetzung das
Aufmauern der Takajüts (Zinnen),
und den Verputz der gesamten Mauerkrone.
Steffen Ramlow aus Meisen, Fachmann
in der Mauerwerksanierung, hatte
die Aufgabe den Riss zu vernadeln.
Die Takajüts wurden aus großen
vorgefertigten Lehmziegeln "40+20+17,5cm"
hergestellt. Sie erwiesen sich als
sehr unhandlich und raubten so manchen
Teilnehmer die Kraft. Die endlosen
Transportwege erleichterten die
Arbeit auch nicht gerade. Das durchmischen
des Lehmmörtel mit der "Akschmar",
einer typischen Hacke, ist doch
sehr kräftezehrend. Doch wuchs
die Arbeit kontinuierlich, das schlechte
Wetter, womit die erste Gruppe zu
kämpfen hatte, wandelte sich
in das gewohnte heiße Wüstenklima,
35°grad im Schatten bei 30%
Luftfeuchtigkeit. Mittags eine wahre
Quälerei.
Letztendlich
wurden alle Mauerkronen inklusive
Putze fertig und auch andere Wandflächen
, die arg beschädigt waren
wurden neu verputzt. Auch hatten
wir für einen Tag Hilfe aus
Deutschland. Guido Röber, Lehmbauer
aus Quedlinburg half mit vier weiteren
Mitreisenden Kabelschlitze, Mauerkronen
und Löcher mit Lehm zu verputzen.
Guido war im Jahre 2000 Teilnehmer
des LEHMEXPRESS, und hat sein Herz
der marokkanischen Kultur und der
Kasbah Asslim verschrieben und es
treibt ihn immer wieder an den Rand
der Sahara.
Steffen
Ramlow öffnete den großen
Riss der Ostwand. Dieser wurde dann
mit speziell gemischten Lehm wieder
mit großer Sorgfalt verschlossen.
Das wichtige bei dieser Arbeit war
das Verdichten des Mörtels,
damit er nicht schwindet und Risse
bildet. Diese Eigenschaft des Lehms
ist bei einer Risssanierung sehr
problematisch. Wenn das Material
sich zusammenzieht entstehen Risse
zum umliegenden Stampflehm und das
Füllmaterial ist nicht verbunden.
Auch wurden zeitgleich etliche Meter
kleinere Risse geöffnet und
auch auf die gleiche Weise geschlossen.
Letztendlich entstand das Gefühl,
das die Wand durch diese Maßnahme
nicht mehr "wackelig"
war, sondern jetzt fest zwischen
den Türmen stand.
Nach
dieser Maßnahme begann die
Vernadelung. Sie soll der Wand statischen
Halt geben. Es wurden mit einem
4cm dicken Spezialbohrer 80cm tiefe
Löcher diagonal zum Riss gebohrt.
In diese Löcher wurde eine
meterlange Stahl- Gewindestange,
10mm, eingeführt. Über
diese ist mit Abstandshaltern ein
Stoffgewebeschlauch gezogen. In
diesen wird ein Füllschlauch
geschoben, durch den der Beton gepumpt
wird. Mit einer speziellen Handpumpe
wurde ein wässriges Gemische
aus Zement und Trass um diese Nadel
unter Druck verpresst. Trass ist
ein vulkanisches Mehl, es wurde
uns freundlicherweise von der Herstellerfirma
TUBAG aus Kruft in der Eifel gesponsert.
Nach dem "Abbinden" entsteht
dann eine Stahlbetonnadel in der
Dicke von 4cm, die ein Verschieben
der Mauer gegeneinander verhindert.
Der Riss wurde dann von innen und
außen verputzt und optisch
ist der Schaden nicht mehr sichtbar.
Zeitgleich wurde weiter an der Stützwand
gearbeitet, zu deren Entwicklung
ich noch einiges sagen möchte.
Im Vorfeld haben wir eine Mauer
aus Stampflehm geplant. Vor Ort
, in den Gesprächen mit unserem
Lehmbaumeister M'Bark, erfuhren
wir, das durch die Ostlage, also
keine direkte Sonneneinstrahlung,
und durch die kalte Jahreszeit,
diese Konstruktion pro Lage zwei
Wochen trocknen muss. Jede Lage
ist 1,20m. hoch. Bei einer Mindesthöhe
von 6 m brauchten wir also circa
drei Monate Zeit. Da bei dieser
Stampflehmbauweise nur innerhalb
eines Jahres ein Stockwerk hergestellt
werden darf, hätten wir diese
Bauweise in diesem Jahr nicht fertig
stellen können. Das Projekt
war jedoch abhängig vom Errichten
dieser Wand. Denn in der zweiten
Gruppe musste die Wand im unteren
Bereich fertig sein, damit wir auch
von Außen dort arbeiten konnten.
Wir
entschieden uns anders. Das Erdgeschoss
sollte eine 40cm dicke Natursteinwand
werden, mit einem Stahlbetonskelett.
Dies Skelett war auch in Verbindung
mit der Stampflehmwand geplant.
Der zweite Stock in Form einer gemauerten
40cm dicken Lehmwand aus .luftgetrockneten
Lehmziegeln, die auch mit einem
Stahlbetonskelett versehen wurde.
Was ursprünglich als Strebepfeiler
erdacht war, wurde geändert.
Da er nicht in das äußere
Erscheinungsbild passt, entschieden
wir uns dort eine Terrasse zu planen.
Auf längere Sicht wird an der
Ostfassade ein Anbau entstehen,
der oben mit einer Terrasse endet.
Diese wird in der üblichen
Architekturform aus Arkaden gemauert.
Darunter entstehen zwei Räume
mit Fenstern. Dieses Gebäude
gibt den zwei Türmen noch einmal
zusätzlichen Halt. Dadurch
ist die Stützmauer in die Architekturform
der Kasbah integriert. Wann diese
Erweiterung gebaut wird, konnte
nicht entschieden werden und bietet
so für die Zukunft eine neue
Aufgabe.
Zum Abschluss des Projekts kam noch
eine besondere Überraschung.
Sidi Achmed rief eine 17köpfige
Musikergruppe auf den Plan. Diese
Gruppe hatte gerade eine Assoziation,
also einen Verein gegründet
und als Auftakt des Vereinwesens
wollten sie uns mit ihrer traditionellen
Musik verwöhnen. Auwat, Akelall
und Nuheidus Musik stand auf ihrem
Programm und ein unvergesslicher
Abend im Arkadenhof beendete das
diesjährige Hilfsprojekt. Ich
wurde noch von Sidi in die Kunst
des Säbeltanzes eingeführt,
was mir einen Heidenspaß,
welch merkwürdiges Wort aber
auch, machte.
Als
dann alle Teilnehmer zurück
in die Heimat fuhren, legten wir
die Arbeitsbereiche für das
nächste Jahr fest.
Ziel ist die Fertigstellung des
Obergeschosses für die Besucher
der Kasbah.
Die Raumgestaltung liegt wieder
einmal im Vordergrund. Der Baustoff
Lehm und Kalk werden in ihren Vor-
und Nachteilen erforscht. Kalk-
Kaseinestriche als Fußböden.
Lehm- und Kalkfarben an den Wänden.
Tadelakt als Verkleidung des "Berberklo's"
sind der Höhepunkt im nächsten
Jahr.
Jetzt zum Schluss noch mal einen
herzlichen Dank an alle Teilnehmer
für ihre Bemühungen beim
Erhalt der Kasbah Asslim. In den
letzten Jahren habe ich es nicht
für machbar gehalten, den ruinösen
Zustand auf diese Art und Weise
zu sanieren. Dies überwiegend
mit Laien. Auch dieses Jahr lag
der Facharbeiteranteil bei 10%.
Ein großes Ziel ist erreicht.
Die Kasbah ist gesichert. Helfer
aus einer doch anderen Kultur und
Kontinent sanieren ein Staatsmonument
in Marokko. Ohne staatliche Hilfe
und Unterstützung. Das ist
ein wahres Geschenk an die marokkanische
Kultur und unsere Familie Aid el
Caid.
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Hiermit
sende ich einen herzlichen Dank
der Familie an alle, die daran
geholfen haben. |
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Besonderen
Dank an Frau Dr. Arch. Anntraud
Torggler aus Tirol, für
ihre Spende, die die Realisierung
der Stützmauer möglich
gemacht hat. |
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Dank
an Herrn Prof. Dierks, Potsdam
für die fachliche Unterstützung
und Ermunterung um die Sanierung
des Risses in der Ostwand. |
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Dank
an Jürgen Spengler/Siegburg
für die Erstellung der
effektiven Homepage. |
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Dank
an die Firma Bausanierung Hampel
aus Meißen für die
Leihgabe der Betonpumpe. |
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Dank
an die Firma Baufirma Hildebrand/Hennef
für die Leihgabe des Aufzuges. |
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Dank
an die Firma TUBAK aus Kruft
für die Spende des Trassmehls
und ihre fachliche Unterstützung
in diesem speziellen Fall. |
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Dank
an alle Personen, insbesondere
meiner Frau Uschi und meinem
Sohn Antonius, die mich in meinem
Tun unterstützt haben. |
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Einen
besonderen Dank an Gott, der
dies alles geschehen ließ.
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Und
ein großes Lob an unsere
Küche! |
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