Projekt
Kasbah Asslim 2004
Riss- Sanierung im alpinen Stil.
Der
LEHMEXPRESS sanierte die Mauerkronen und
die Dachterassen der Kasbah Asslim im
Süden Marokkos.
Auch
in diesem Jahr fand sich wieder eine Gruppe
Menschen, um mit der priv. Hilfsorganisation
LEHMEXPRESS die Restaurierung der alten
Lehmburg fortzuführen. Sechs Personen
aus Deutschland, Norwegen und Spanien
fuhren mutig und willig zur Familie Ait
el Caid, um das von Manfred Fahnert geplante
Vorhaben in die Tat umzusetzen.
Gleichzeitig
wurde der im vergangenen Jahr fertig gestellte
"Raum für den Frieden in der
Welt" in ein Museum verwandelt. Die
künstlerische Gestaltung übernahm
hierbei die Bonner Künstlerin Antonia
Wenzlawsky. Zur Ausstellung sollten Arbeiten
der Studentengruppe um Prof. Dr. Wirth
von der Universität Weimar kommen.
Diese Gruppe erarbeitete eine Exposition
über Besiedlung, Klima, Vegetation
und Kultur des Draa-Tales im Süden
Marokkos.
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Das Team 2004
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Hinzu
kamen exakte Bau-Pläne der alten
Kasbah Caid Ali die im vergangenen Jahr
vor Ort vermessen wurden. Die Ausarbeitung
hängt nun, auf Holzplatten befestigt,
in den Räumen aus und wird durch
Fotos der Lehm- Architektur der Region
ergänzt.
Auch gibt es jetzt eine Auswahl von Keramiken
der Arbeitsgruppe um Iris Florstädt
aus Dresden.
Dieser Workshop findet im Rahmen des LEHMEXRESS
seit zwei Jahren bei dem ortsansässigen
Töpfer Khinini Madani statt. Er vermittelt
die traditionelle Töpferkunst der
Berber. Hergestellt werden Wasserkrüge,
Tagine- und Couscous-Schalen und auch
die freie Kunst kommt nicht zu kurz.
Im
Museum soll der wissbegierige Besucher
die Möglichkeit zum Studium der südmarokkanischen
Architektur- und Lebensform bekommen.
Dort befindet sich auch eine von Manfred
Fahnert gestiftete Literatursammlung zu
diesem Thema. Das Studium kann außerdem
durch die Semesterarbeiten der Weimarer
Studentengruppen aus den vergangenen sechs
Jahren vertieft werden. Diese ist mittlerweile
so umfangreich, das ein Besuch lohnenswert
ist. Sie umfasst Lehm- und Tonanalysen,
Schadensermittlungen, ökologische
Sanierungskonzepte, Statiken und Fotodokumentationen
beider Kasbahs und des Arkadenhofes.
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Risssanierung im
alpinen Stil
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Risssanierung im
alpinen Stil
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Aber
gearbeitet wurde auch. Hoch oben auf der
Sichtfassade der Kasbah wurden die maroden
Mauerkronen und Estriche abgetragen und
erneuert. Dies geschah unter Mitarbeit
der Handwerker, die für die Sippe
arbeiten. Zwei Turmkronen und der Zwischenbau
wurden mit leicht gebrannten Lehmziegeln
aufgemauert. Diese fertigte der Mallem
Khinini Madani für uns im Vorfeld.
Er war unglaublich stolz uns bei der Arbeit
zu helfen. Danach wurden die Zinnen (Takajüts)
erneuert und mit kalkvergütetem Lehmmörtel
verputzt. Als technische Neuerung diente
eine mitgebrachte elektrische Seilwinde,
die erheblich zur Entlastung der Helfer
beitrug. In den vorangegangenen Jahren
wurden die Mörteleimer von Hand über
die teilweise defekten Treppen nach oben
gebuckelt, welches so manchen Helfer an
den Rand der Ohnmacht brachte. Dies geschieht
bei teilweise sengender Sonne oder orkanartigen
Winden, der den Staub in die Augen treibt.
Einhellig stellten wir fest: wir müssen
schon ganz schön besessen sein, um
sich diesen Torturen auszusetzen.
Das
größte Problem in dieser Region
ist die Trockenphase der Putze. Innerhalb
kürzester Zeit trocknen sie aus und
verlieren dadurch ihre Festigkeit. Dies
wurde dann das größte Problem
bei den Kalkestrichen für die Terrassen,
die mit Kasein veredelt wurden. Sie müssen
lange feucht bleiben, damit sie chemisch
abbinden. Ohne Hilfestellung trockneten
sie in kürzester Zeit aus und waren
danach sandig. Es blieb nichts weiter
übrig, als eimerweise Wasser hinauf
zu befördern und mit Plastikfolien
den Trocknungsprozess zu verzögern.
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Dies
war aber nicht das größte Problem
dieses Workshops. Der vertikaler Riss im
Süd-Westturm beunruhigte die Familie
schon seit Jahren. Im letzten Jahr vergrößerte
er sich zusehends und es war Eile geboten
etwas zu unternehmen. Unter dem Turm liegt
das Schlafzimmer der drei Kinder von Hassan.
Zuhause wurde mit dem Statiker Gerd Henrizi
aus Flammersfeld eine zugfeste Konstruktion
entwickelt, der die abklappende Wand mit
dem restlichen Mauerwerk verbindet. Gewählt
wurde ein Stahlseil, dass an den Enden mit
30x30cm großen Eisenplatten verbunden
wurde.
Mit einer Spannvorrichtung wurden die Platten
gegen das Mauerwerk gespannt, sodass die
Mauer sich nicht mehr nach außen neigen
kann. Diese Verbindung wurde in den Lehmfußboden
der Dachterrasse eingelassen und ist dadurch
nicht mehr zu sehen. Der Riss wurde mit
Druckluft gereinigt, verschalt und mit einem
Schnellzement ausgegossen.
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zugfeste Konstruktion
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Die
Schwierigkeit bestand hauptsächlich
darin, die Verschalung von außen an
der Fassade anzubringen. Da es in Marokko
so gut wie kein Gerüst gibt, mussten
wir auf die bewährte alpine Abseiltechnik
mit Sitzgurt, Karabiner und Kletterseil
zurückgreifen. Über die Mauerkrone
abgeseilt, von oben mit Material versorgt,
konnten wir die Verschalung und die anschließende
Verputzarbeit problemlos bewerkstelligen.
Die einheimische Bevölkerung geriet
natürlich in helle Aufregung, als sie
jemanden an der Fassade hängen sahen.
Jetzt müssen wir abwarten, ob sich
die Verankerung bewährt. M`Barek, ein
Sohn der Familie, fand dies das beste Geschenk
seit zehn Jahren für seine Familie.
Wünschen wir Ihnen, dass sie jetzt
ruhiger schlafen können. |
Ein geschlossener
Riss
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Bei der Arbeit
- Restaurierung der Takajüts
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Zum
Abschied wurde natürlich wieder gefeiert.
Achwasch stand auf dem Programm.
Diese traditionelle Musikform der Berber
dieses Gebietes besticht durch seinen
einfachen aber mitreißenden Rhythmus.
Eine große Trommel, mit zwei dicken
Palmen wedeln gespielt, gibt den Grundton
in dieser Musik. Tambourin und Gesang
ergänzen diesen. Dazu wird im Stehen
geklatscht und sich rhythmisch bewegt.
Spätestens nach einigen Minuten ist
man verzaubert und in eine andere Welt
versetzt. Wir vergessen unsere Gedanken
und erinnern uns ganz fern daran, dass
dies uns irgendwie bekannt vorkommt.
Dies war der Abschied. Die einen fuhren
in die Wüste, andere flogen sofort
zurück, der Rest entspannte sich
und genoss die Ruhe in der Oase unter
den Dattelpalmen.
Für
das nächst Jahr gibt es noch vier
weitere Türme und zwei Dachterrassen
inklusive der Mauerkronen zu sanieren.
Zudem ist die Decke eines Treppenturmes
so desolat, dass sie ausgewechselt werden
muss.
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Ein frischer Kalk-Kasein-Estrich
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Die Kasbah mit
neuen Takajüts vor dem Hinterland
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Eine
Zusammenarbeit mit der dortigen Denkmalbehörde
steht an. Die Probleme der Rissbildung
an den großen Lehm-Kasbahs. Sie
bringen große statische Probleme
mit sich. Da sie einmal von konstruktiven
Mängeln, zum anderen von geologischem
Ursprung sind, müssen sie im Vorfeld
genau betrachtet und analysiert werden.
Die Rissbildungen der Kasbah resultieren
aus diesen beiden Gründen. Da sich
die bauliche Konstruktion vor circa 150
Jahren in dieser Region verändert
hat, bekommen diese Gebäude, durch
die enorme Höhe von bis zu 20m, in
den Außenmauern Risse. Diese entstehen
durch die in den Stockwerken nach oben
versetzen Mauern. Sie verjüngen sich
in jedem Stockwerk. Spannungen, die sich
durch die enorme Sonneneinstrahlung entstehen,
führen zu Abrissen zwischen den an
den Gebäudeecken angebauten Türmen
und den Zwischenwänden. Da die gestampften
Elemente der einzelnen Bauwerke nur ungenügend
verbunden sind (durch eingelegte Palmenhölzer),
reißen sie voneinander ab und große
Wandflächen haben keinen Halt mehr.
Die Anordnung von Fenster in den unteren
Gehschoßen bringt einen solchen
statischen Druck, der sich durch vertikale
Risse sichtbar macht. Das Gebäude
setzt sich. Da der Atlas ein geologisches
Erdbebengebiet ist (die afrikanische Platte
schiebt sich auf die Europäische)
führten zwei leichte Beben in den
letzten 60 Jahren zu den sichtbaren Mängeln
in der Statik der Kasbah Asslim. Durch
ein geologisches Gutachten durch die heimische
Denkmalpflegeorganisation CERCAS
wurde festgestellt, dass die Probleme
durch die Beben nicht so gravierend sind,
wie angenommen wurde. Auch führte
ein Unwetter und ein verstopfter Wasserabfluss
zu einer Durchweichung der Fundamente
des Süd-Ostturmes. Dieser setze sich
in Folge vom Hauptgebäude. Zusätzlich
steht das Gebäude auf drei verschiedenen
Geländestufen welches für zusätzlich
Spannungen im Mauerwerk führte.
Durch
die Betrachtung all dieser Faktoren sind
wir zu dem Schluss gekommen, die bestehenden
Risse mit Schwefel zu verfüllen.
Dieser natürliche Stoff hat die Eigenschaft
den Lehm wieder zu verkleben. Die statischen
Eigenschaften werden wieder hergestellt.
Es existieren Erfahrungswerte des Lehmexperten
Martin Rauch aus Österreich, die
dies belegen. Durch Gespräche mit
internationalen Fachleuten entwickelt
sich eine Zusammenarbeit mit der marokkanischen
Denkmalpflegeorganisation. Das Ziel des
LEHMEXPRESS ist der Austausch von Fachwissen
als Hilfe für den Erhalt denkmalgerechter
Architektur. Es gibt weltweit wenig Kenntnisse
um diese Probleme. Nur wenige Experten
haben praktische Erfahrung. Es ist immer
ein Arbeiten im Ungewissen mit der Hoffnung
auf Erfolg. Trotzdem ist das Experimentieren
besser, als nichts zu tun.
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Fertig restaurierte
Takajüts
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Im Museum
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| Im
Oktober wird die Kasbah Asslim als Großmodell
auf dem Stand des Dachverbandes LEHM auf
der "Denkmal 2004" in Leipzig
gebaut. Dies ist mit über 400 Ausstellern
die größte Denkmalpflegemesse
der Welt und steht unter dem Motto "Weltkulturerbe
aus Lehm". Anlässlich der
Erdbeben im Iran und Marokko gibt es einen
Austausch um das Fachwissen Lehmbau in der
Restauration. Interessierte können
unter www.dachverband-lehm.de Informationen
einholen. |
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